Fotokochbuch – 1: Theoretische Grundlagen

Theoretische Grundlagen zum Fotokochen

Auch wenn ich mit meinem Kochbuch einfache Tipps, Tricks und Kurzanleitungen zum Fotografieren geben möchte, so kommt aber auch ein Fotokochbuch nicht ohne einen kleinen theoretischen Teil aus. Denn auch wer Kochrezepte will, muss die Grundlagen von Gewürzen und Töpfen kennen. Ganz ohne Hintergrund fällt das verstehen immer sehr schwer.

Nun sind die wesentlichen Grundlagen der Fotografie natürlich weder Salz noch Pfeffer, sondern hauptsächlich Licht. Unser Fotoapparat kann Licht auffangen und verarbeiten. In der analogen Fotografie, ist es der Film, welcher das Licht auffängt und die Kamera, welche die Lichtmenge und das Bild beeinflusst. In der digitalen Fotografie wurde lediglich der Film als lichtempfindliches Medium gegen einen empfindlichen Chip ausgetauscht.

Die wesentlichen Teile, welche unser Bild bestimmen, also neben dem Motiv und dem Bildausschnitt natürlich, ist die Lichtmenge, welche wir zu unserem Lichtfänger – egal ob Film oder Chip – durchlassen.

Als Fotograf haben wir zwei grundlegende Möglichkeiten diese Lichtmenge zu beeinflussen: die Belichtungszeit und die Blende. Beide wollen wir kurz näher betrachten.

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist ganz einfach die Zeit, welche wir Licht auf unseren Chip oder Film einwirken lassen. Im Normalzustand der Kamera schützt der Verschluss unseren Lichtfänger vor einfallendem Licht, es ist also Dunkel. Mit dem Betätigen des Auslösers unserer Kamera öffnet sich der Verschluss um eine vorgegebene Zeit – die Belichtungs- oder Verschlusszeit. Würde man den Verschluss einfach unbestimmt lange offen lassen, strömt eine unendliche Menge Licht in unseren Lichtfänger, was dazu führt, dass das Bild überbelichtet ist, im Extremfall ganz weiß. Es ist zu viel Licht auf unseren Lichtträger gekommen.

Die Belichtungszeit ist also ein wichtiges Kriterium für unser Bild, es bestimmt wie hell oder dunkel das Foto wird. Normalerweise wird die Belichtungszeit durch die Kamera errechnet. Die Kamera hat Informationen über die Lichtempfindlichkeit des Filmmaterials, die Größe der Öffnung durch welche das Licht strömt und einen eingebautes Messgerät, welches die Helligkeit außerhalb des Fotoapparates misst. Mit diesen beiden Informationen errechnen unsere Kameras automatisch die vermeintlich ideale Belichtungszeit, damit unser Foto ein Abbild der Welt außerhalb der Kamera wird.

Die zweite wesentliche Möglichkeit die einströmende Lichtmenge zu beeinflussen ist die Größe der Öffnung, durch welche das Licht auf das Trägermaterial strömt – die Blende.

Blende

Hinter dem Verschluss der Kamera, welcher lediglich auf und zu geht, ist noch ein weiteres wichtiges Bauteil unserer Kamera, welches ebenfalls die einströmende Lichtmenge beeinflusst – die Blende. Man kann sich die Blende wie einen Wasserhahn vorstellen, welcher die Menge Wasser regelt, die aus unseren Leitungen kommt. Ist der Wasserhahn nur wenig geöffnet, kommt nur wenig Wasser, dreht man ihn ganz auf, kommt bekommt man viel Wasser. In gleicher Zeit.

Die Blende funktioniert ähnlich. Öffnet man die Blende, wird viel Licht durchgelassen, schließt man die Blende kommt wenig Licht in der gleichen Zeit auf unseren Film oder Chip. Die Blenden werden in der Fotografie mit Zahlen beschrieben und bestimmt, dabei gilt, dass je kleiner die Zahl der Blende ist, desto weiter ist die Blende geöffnet. Eine kleine Blendenzahl bedeutet also eine große Blendenöffnung, entsprechend eine große Menge Licht, welche durchgelassen wird.

Zusammenspiel Belichtungszeit – Blende

Wenn man nun die beiden Absätze über Blende und Belichtungszeit aufmerksam liest, wird schnell klar, dass diese beiden Parameter in engem Zusammenhang stehen.

Je größer – man sagt offener – die Blendenöffnung ist, desto mehr Licht strömt in einer Zeiteinheit auf den Chip. Für den Fotografen bedeutet dies – bei gleichen Lichtbedingungen – je offener die Blende, desto geringer die Belichtungszeit.

Etwas deutlicher wird dies wieder, wenn wir zum Wasserhahn zurück schauen. Wenn wir einen Liter Wasser aus unserer Leitung möchten und den Hahn nur gering öffnen, dauert es lange um unseren Meßbecher zu füllen. Öffnen wir den Hahn komplett, ist unser Becher deutlich schneller gefüllt. Das gleiche Prinzip gilt für das Zusammenspiel Blende und Belichtungszeit.

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